Mit den ersten Akkorden eines Soulliedes aus den Siebzigerjahren blenden wir auf die Szenerie eines großen Wohnzimmers. In der Mitte des Zimmers steht ein Holztisch, ein Designerstück. An den Wänden hängen Poster von Filmen aus den Anfängen der Kinomatheken. Fritz Lange neben Sergei Eisenstein, dazu Popkultur-Porträts von Albert Einstein und Frida Kahlo. Große Fenster an den Seiten offenbaren, dass wir irgendwo an der US-amerikanischen Westküste sind. Strand und Meer, Beach Boys. In der Ecke steht eine chromfarbene, offenbar sehr teure Hi-Fi-Anlage. Alles noch analog, komplett mit Plattenspieler, Tonbandgerät, großen Kopfhörern, etc. Auf der linken Seite ist ein Buffet aufgebaut. Offenbar auch sehr teuer, Essen ist in geschmacklosen Behältern aufbereitet. Vermutlich Catering. Auf dem Boden ist die Kontur eines toten Tigers nachgezeichnet. An der Stelle des Kopfes ist ein echter Tigerschädel.
Niemand ist im Raum.
An der rechten Seite führt eine Treppe in den ersten Stock. Zu den Klängen einer tiefen männlichen Soulballade folgt eine Steadycam nah über dem Boden der Treppe nach oben und bleibt an einer Tür stehen. Durch den unteren Türschlitz sehen wir nackte Füße umherhuschen. Die Zehen sind rot lackiert. Es sind die Füße von MISS SOPHIE.
Nahaufnahme von Miss Sophies Mund. Sie trägt roten Lippenstift auf und singt das Soullied mit.
Nahaufnahme ihrer Füße. Einfach so.
Nahaufnahme von Miss Sophies Augen. Sie trägt tiefschwarzen Lidschatten auf und tuscht ihre Wimpern.
Nahaufname ihrer Füße. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen.
Miss Sophie hat offenbar einen Spiegelschrank geöffnet und sucht im obersten Regal nach einer Medikamentendose. Als sie es gefunden hat, sehen wir, dass es Schlaftabletten sind. Sie nimmt eine Hand voll und wiegt sie in ihrer Hand - so als müsste sie eine Entscheidung abwägen.
Zurück im Wohnzimmer. JAMES tritt ein. James ist ein Mittvierziger, schwarzer Samuel L. Jackson aus Jackie Brown. Er geht zu der Hi-Fi-Stereoanlage, wir sehen, dass eine Vinylplatte bereits auf dem Plattenspieler kreist. Er sucht im Plattenregal nach einer Johnny Cash-Platte. Er unterbricht das laufende Lied und legt "Tennesse Stud" auf.
Miss Sophie im Badezimmer. Sie hört, dass James ein Lied eingelegt hat. Noch ein schneller Cut auf ihre Füße. Und wir schneiden zurück zu:
Wohnzimmer. James öffnet eine Weinflasche mit den Zähnen, beginnt mit den Fingern in den vorbereiteten Speißen zu puhlen, sich Stücke herauszunehmen und in den Mund zu schmeißen. Er nimmt einen Löffel von der Seite und steckt ihn tief in eine Schüssel voller kleiner schwarzer Bällchen.
Auf der Treppe erscheint Miss Sophie. Wir sehen jetzt, dass sie Uma Thurman aus Pulp Fiction ist. James dreht sich um, er fixiert Miss Sophie mit den Augen, den Löffel hält er weiter in der Hand. Miss Sophie beginnt die Treppe langsam herunterzugehen.
James entspannt sich, behält den Löffel weiterhin in der Hand.
Sie hat das Ende der Treppe erreicht und bleibt stehen. Fixiert Butler James, als warte sie auf eine Reaktion. James lächelt.
Sie ignoriert ihn. Und begibt sich zu der Hi-Fi-Stereoanlage.
Sie pausiert kurz und blick in das Plattenregal.
Sie holt eine Platte aus dem Regal, begutachtet sie kurz und legt sie zurück. Sie sucht weiter.
Wieder holt sie eine Platte aus dem Regal. Dieses Mal die richtige. Sie pustet etwas Staub vom Cover, wir sehen den Soundtrack zu dem Film "Fool for love". Sie zieht die schwarze Vinylplatte heraus und wirft James einen Blick zu.
Sie pausiert Johnny Cash und nimmt die Platte vom Teller.
Sie legt die Platte auf, lässt sie rotieren und platziert den Tonarm vorsichtig über einem Lied.
Sie legt einen Hebel um und der Arm senkt sich. Es knarzt. Dann ertönen die ersten Takte von "Fool for love" von Sandy Rogers (Reservoir Dogs Soundtrack). Wir schneiden auf ihre Füße, Sophie ist barfuss. Sie tanz mit den ersten Takten auf James zu.
Sie macht eine Pirouette, bleibt kurz festgefroren stehen und blickt James an.
Sie lässt ihren Kopf in den Nacken fallen und atmet laut ein. Wir hören, dass die Platte einen Sprung hat. Sophie blickt zum Plattenspieler, dann zu James. Sie lächelt ihn an. Geht dann auf ihn zu und bleibt - Gesicht an Gesicht - vor ihm stehen. Starrt ihn an.
Jedes folgende Wort spuckt sie wie eine Gewehrsalve aus.
Sie nimmt James den Löffel aus der Hand, ohne ihren Blick von ihm abzuwenden, und isst den Kaviar. Wir hören immer noch den Sprung in Fool for love. Sophie wirft den Löffel auf den Plattenspieler, trifft den Tonarm und lässt ihn mit lautem Kratzen seine Spur wieder finden. Der Song geht weiter.
James lächelt.
Sophie lächelt. Sie öffnet den Mund.
Cut.
Continued in...